HöhlentaucherTechnisches Tauchen - Technical Diving - Tecdiving

Das Konzept des Technischen Tauchens, auch Technical Diving oder kurz Tecdiving genannt, entstand in den 90er-Jahren in Amerika. Es waren Wracktaucher, die den Wunsch hatten, versunkene Schiffe in grösseren Tiefen zu erforschen und Höhlentaucher, die noch weiter und tiefer in ein Höhlensystem eindringen wollten. Aus diesen und anderen Kreisen wie beispielsweise den Berufstauchern und den Militärtauchern, entwickelte sich die Gruppe der Technischen Taucher. In den Anfangszeiten des Technischen Tauchens war echte Pionierarbeit gefordert. Nicht selten war die Ausrüstung selbst gebaut und schwierig zu handhaben. Mittlerweile hat sich die Tauchindustrie auf die Anforderungen der Tecdiver eingestellt.

Generell ist Technisches Tauchen die Summe aus langjähriger Erfahrung und einem nie endenden Lernprozess. Es setzt bei jedem Taucher ein hohes Mass an Selbstdisziplin sowie körperliche und geistige Fitness voraus. Ein Taucher muss seine persönlichen Grenzen genauestens kennen und wissen, wann er diese Grenzen erreicht hat.

Definitionen

Es existieren zwei Definitionen, was unter Technischem Tauchen zu verstehen ist:

  • Das Tauchen mit Atemgasgemischen, welche nicht das Mischverhältnis von Luft (also 21% Sauerstoffanteil O2 und 79% Stickstoffanteil N2) aufweisen, wobei der/die Taucher(in) während des Tauchgangs mehrere verschiedene Gasgemische mit sich führt (siehe Fotos auf dieser Seite). In diese Kategorie fallen NITROX (Sauerstoff/Stickstoff-Atemgasgemisch mit erhöhtem Sauerstoffanteil, auch Enriched Air oder Safe Air genannt) und TRIMIX (Mischgas, bei welchem der Stickstoffanteil zwecks Verringerung der Stickstoffnarkose und/oder der Sauerstoffanteil zwecks Vermeidung der Sauerstoffvergiftung in grossen Tiefen verringert wird, indem ein drittes Gas, meist Helium He, beigemischt wird).
  • Das ausrüstungsintensive Tauchen in Umgebungen, in denen nicht direkt zur Oberfläche aufgetaucht werden kann, weil eine physische Barriere den Weg versperrt. Dies ist beim Höhlentauchen und Wracktauchen der Fall. Eistauchen wird im allgemeinen nicht dazugerechnet (obwohl hier die Eisdecke das direkte Auftauchen verbietet).

TecdiverOft kommen im Höhlentauchen, Wracktauchen und Tieftauchen Mischgase zum Einsatz, um die Grundzeiten zu verlängern und/oder die Dekompressionsstopps zu verkürzen. Zur Planung und Durchführung von technischen Tauchgängen sind in jedem Fall besondere Kenntnisse erforderlich, welche den/die durchschnittliche(n) Sporttaucher(in) überfordern. Aus diesem Grund sollten Interessierte erst Erfahrungen unter erschwerten Bedingungen (z.B. Kaltwasser) sammeln. Mit dem technischen Tauchen solltest du dich erst nach mehrjähriger Sporttaucherfahrung befassen. Beim Technical Diving ist ein waches und ungetrübtes Urteilsvermögen und Konzentration vor und während dem Tauchgang überlebenswichtig! Wer dann noch mit seiner Ausrüstung zu kämpfen hat, gefährdet sich und andere unnötig.

Wer mit dem Technical Diving beginnen möchte, hat sich ein teures Hobby ausgesucht: Weil das Zauberwort beim Tecdiving Redundanz heisst, müssen alle (wichtigen) Systeme in mindestens doppelter Ausführung von dem/der Taucher(in) mitgeführt werden. Meistens sind die Anforderungen an das Material auch höher als bei normaler Taucherausrüstung, die für den Einsatz im Open Water Tauchen entwickelt wurde. Die Ausbildung ist personalintensiver und stellt höhere Anforderungen an die Instruktoren als Open Water Tauchkurse. Zu guter Letzt sind alle Mischgase teurer als Luft. Im Gegenzug darf man beim Tecdiving extreme Erlebnisse und Erfahrungen im taucherischen Grenzbereich sammeln.

Organisationen für das Technische Tauchen

Es gibt verschiedene Organisationen, welche sich auf das Tecdiving spezialisiert haben. Die für das Technische Tauchen benötigten Fähigkeiten und Kenntnisse sind nur durch eine seriöse Ausbildung durch anerkannte, auf das Technische Tauchen spezialisierte Ausbildungsorganisationen und deren angeschlossene Tauchschulen, kontinuierliches Lernen und Training zu erwerben.

Wichtig: Oftmals werden die NITROX-Kurse von Sporttauch-Organisationen (wie z.B. PADI) mangels zu oberflächlichem theoretischen Fundament von den Tec-Organisationen nicht anerkannt!

Es folgt eine Liste von weltweit anerkannten Organisationen:

ANDI

www.andihq.com

ANDI (American of Nitrox Divers International) wurde 1989 gegründet, mit dem Ziel, tauchen mit Sauerstoff-angereicherte Luft (NITROX) sicher zu machen. Deshalb wurden und werden entsprechende Standards und Trainingsprogramme definiert und Instruktoren ausgebildet. Seit 1991 ist ANDI auch ausserhalb der USA aktiv. In der Schweiz und Deutschland unterrichten bereits verschiedene Tauchschulen gemäss den ANDI-Standards.

IANTD

www.iantd.com

IANTD (International Association for Nitrox and Technical Diving) ist die grösste kommerzielle Tec-Ausbildungsorganisation der Welt. Sie hat ihre Wurzeln im militärischen Umfeld. IANTD bietet das ganze Spektrum des Technischen Tauchens und Sporttaucher-Kurse an.

NACD

www.safecavediving.com

NACD (National Association for Cave Diving) wurde 1968 in den USA gegründet um das sichere Höhlentauchen zu fördern. Diese Non-Profit-Organisation entwickelt nicht nur Ausbildungsrichtlinien und Standards sondern verlegt und wartet auch die Führungsleinen in dutzenden von Höhlensystemen und erforscht neue Höhlensysteme in den USA. Brevets von NACD geniessen ein sehr hohes Ansehen, weil die Anforderungen an NACD Höhlentauchinstruktoren sehr hoch sind.

SWISS CAVE DIVING

www.swiss-cave-diving.ch

Swiss Cave Diving ist eine Fraktion des SUSV/CMAS, welche Höhlentaucher ausbildet. Die Ausbildung gilt als sehr seriös und geniesst international einen guten Ruf, obwohl die Ausbildung noch nicht allzu lange angeboten wird. Die Kurse finden zweimal jährlich in Südfrankreich statt. Weitere Informationen auf der Website.

Informationen zu Tec-Tauchschulen, spezialisierten Tauchshops und weitere Infos findet ihr in unserem Link-Bereich.

Weitergehende Informationen findest du hier:

Grottentauchen - Höhlentauchen - Wracktauchen